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Die Legende vom erfolgreichen U3-Ausbau in NRW

Hagen, den 05. Mai 2010


Wolfgang Jörg: Die Legende vom erfolgreichen U3-Ausbau in NRW

Zur aktuellen Debatte um den U3-Ausbau meint Wolfgang Jörg, kinder- und jugendpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion:

„Schon einmal verkündete unser Familienminister Armin Laschet, NRW verfüge über 86.000 Plätze für unter Dreijährige. Im Jahr davor sollten es übrigens 70.000 gewesen sein. Nun seien es 90.000. Und wieder wird die Legende verkündet, NRW sei das familien- und kinderfreundlichste Bundesland.

Weiter können wir der Pressemitteilung des Ministers entnehmen, das Land befinde sich auf der Überholspur und alle hätten Unrecht, vor allem das statistische Bundesamt. Es ist vielleicht wie auf der Autobahn: Wenn einem alle Autos entgegen kommen, so sollte man sich langsam fragen, ob man noch in der richtigen Richtung unterwegs ist und ob die vermeintliche Überholspur in Wirklichkeit der Standstreifen ist.

Herr Laschet verkündet, man habe in NRW mehr Plätze geschaffen als die Länder Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zusammen. Schaut man sich die Zahlen des statistischen Bundesamtes an, ist es aber richtiger zu sagen, man hat noch so viele Plätze zu schaffen wie die Länder Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Schleswig-Holstein zusammen. Man könnte auch sagen: Bayern und Baden-Württemberg haben gemeinsam noch so viele Plätze zu schaffen wie NRW alleine. Noch einmal: Dies ist nicht die Überholspur, Herr Laschet! Und schon gar nicht haben Sie das kinderfreundlichste Bundesland geschaffen.

Das sogenannte Kinderbildungsgesetz hat schlimme Nebenfolgen: Landesweit ist es zu erheblichen Qualitätsverlusten in der frühkindlichen Bildung gekommen. Es ist keine Seltenheit, dass ganze Kindergartengruppen nur noch in den Kernzeiten von mehr als einer Person betreut werden. Mit zunehmender Sorge sehen wir, wie einst hoch motivierte Erzieherinnen sich nach anderen Beschäftigungen umsehen oder sich vermehrt krank melden. Die Eltern zahlen Gebühren nach dem Chaos-Prinzip. Millionäre in der einen Kommune schicken ihre Kinder kostenlos in die Kita, während Normalverdiener in der anderen Kommune bis zu 600 Euro zahlen. Täglich gehen bei uns Protestmeldungen von Beschäftigten und Eltern ein.

Und noch eins: Das Gejammer vom schweren Erbe kann nun wirklich niemand mehr hören. Auch hier werden immer wieder Legenden verkündet. Die meisten Kita-Plätze wurden nicht unter Laschet, sondern in den Jahren 1991 bis 2002 geschaffen. Es waren rund 130.000. Die Bilanz der letzten Zählungen für unter Dreijährige in Kitas: in 2002: 10.712, in 2006: 24.925, in 2007: 23.834, in 2008: 32.203, in 2009: 39.376. Alles nachzulesen beim statistischen Bundesamt.

Eine Verachtfachung sieht anders aus, eine Überholspur sieht ebenfalls anders aus und das kinderfreundlichste Bundesland sieht auch anders aus. Am 9. Mai 2010 haben nicht nur Eltern und Erzieherinnen eine einmalige Chance: Sie können das KiBiz abwählen!“


Wolfgang Jörg